1 · Freie Hand – mit angezogener Handbremse
Die Geschäftsleitung gibt das Ziel vor – ein neues Produkt soll auf Social Media beworben werden – und überlässt dem Marketing bewusst die Umsetzung, als Zeichen des Vertrauens. Was fehlt, sind drei Festlegungen: Es ist nicht geklärt, wer am Ende entscheidet, was inhaltlich gilt und bis wann etwas steht. Das Team legt los und liefert ein tragfähiges Konzept. Doch beim ersten Freigabetermin beginnt das eigentliche Projekt erst: Die Geschäftsleitung nimmt den Entwurf auseinander und ersetzt ihn durch eigene Ideen. Das Team setzt sie um – und beim nächsten Durchlauf wird erneut alles umgeworfen. Aus dem Vertrauen ist sein Gegenteil geworden: eine Führung, die das Ziel vorgibt und zugleich vorschreiben will, auf welchem Sitz die Mitreisenden zu sitzen haben. Fachleute nennen das Mikromanagement; im Kern ist es das Nicht-loslassen-Können. Mit jeder Runde verlieren alle dasselbe – Zeit, Budget und irgendwann die Geduld.
Ich setze genau dort an, wo die Schleife entsteht – bevor das erste Konzept gebaut wird. Aus vielen solcher Situationen weiß ich: Das Problem ist selten fehlendes Vertrauen, sondern es sind drei Festlegungen, die niemand getroffen hat – wer entscheidet, was inhaltlich gilt, bis wann es steht. Ich bringe Geschäftsleitung und Team dazu, diese Punkte verbindlich zu klären, bevor die Arbeit beginnt. Der Führung nehme ich dabei nichts weg – sie behält die Steuerung, die sie zu Recht möchte, muss das Ergebnis aber nicht mehr in jeder Runde selbst neu erfinden. Das Vertrauen bleibt. Die Schleife geht.
Vertrauen entfaltet sich erst, wenn Entscheidung, Inhalt und Termin vorher feststehen.
